Ironman Frankfurt 2010 - Wettkampfbericht von dontpanic
Datum: 04.07.2010
Ort: Frankfurt
Typ: Langdistanz
Distanzen: 3,8 - 180 - 42,2
Witterung: ca. 23-30 Grad, sonnig, trocken
Link: Ironman Germany
Schwimmen:
1:14:48
T1:
0:05:28
Radfahren:
5:31:35
T2:
0:02:18
Laufen:
3:49:03
TOTAL:
10:43:12
Der Tag der Eisenmänner
Um 4:15 Uhr hieß es Aufstehen. Eigentlich hätte ich noch 'ne halbe Stunde länger Schlafen können doch am Vorabend fragte
mich Jens ob ich ihn nicht abholen könnte. Ich hatte in der Nacht sowieso sehr schlecht geschlafen und somit kam es auf die
halbe Stunde auch nicht mehr an. Zum Frühstück gab's noch vier Nutellabrote und nachdem ich mich mit Sonnencreme
versorgt hatte ging es auch schon los. Wie verabredet war ich um 5:30 bei Jens und um 6:15 schließlich auf dem Parkplatz am
Langener-Waldsee. Leider stellte sich heraus das unsere Zeitplanung doch etwas optimistisch war und es kam leichte Hektik
beim Vorbreiten der Räder auf. Außerdem hatte ich Probleme beim Aufpumpen des Vorderrades. Durch diese blöde
Ventilverlängerung entwich immer wieder Luft und ich bekam nicht genügend Druck in den Vorderreifen. Nach etlichen
Versuchen klappte es dann doch irgendwie.
Schwimmen:
Rechtzeitig zum Start waren Jens und ich im Wasser. Wir wollten dem Geprügel etwas aus dem Wege gehen und dachten ganz
rechts an der Plattform wäre ein guter Startpunkt. Leider stelle sich heraus, dass auch viele andere das dachten und schon
während des Wartens wurde es so eng, dass einem der Platz fehlte, vernünftig über Wasser zu bleiben. Und dann kam auch
schon die Durchsage "Nur noch eine Minute!" und kurz darauf fiel der Startschuss. Das Geprügel nach dem Start war doch
heftiger als von mir erwartet und an ein vernünftiges Schwimmen war zunächst nicht zu denken. Da Jens der stärkere
Schwimmer ist, hatte er mir angeboten mich in seinem Wasserschatten durch den Langener-Waldsee zu ziehen. Also versuchte
ich direkt nach dem Start mich an Jens zu hängen - das klappte auch für ca. 50m. Nach einem kleinen Zwischensprint von Jens
konnte ich die dadurch entstandene Lücke nicht mehr schließen und schwamm mein eigenes Ding. Nach gefühlten 400m hatte
sich das Startfeld dann etwas entzerrt und ich kam in einen guten Rhythmus. Der Rest des Schwimmens war denn wenig
spektakulär. Ich versuchte mich immer wieder an die Füße anderer Schwimmer zu hängen um ein wenig vom Wasserschatten
zu profitieren. Durch das sehr trübe Wasser (Sichtweite ca. 50cm) gelang mir das jedoch nur teilweise. Nach 01:14:49 stieg ich
dann aus dem Wasser und fühlte mich noch sehr gut. Laut meines GPS bin ich 4,2km geschwommenen. Anscheinend hatte ich
Ideallinie nicht ganz getroffen.
Der Wechsel vom Schwimmen zum Rad verlief ohne große Vorkommnisse. Das einzige Problem war, dass man die Füße voller
Sand hatte. Nach dem Schwimmen musste man einen Sandhügel hoch laufen um in die Wechselzone zu kommen. Dabei hatte
sich dann einiges an Sand zwischen den Zehen gesammelt. Da ich beim späteren Laufen keine Blasen riskieren wollte
entfernte ich mühsam den ganzen Sand mit dem Handtuch. Der Witz an der Sache war, dass ich am Abend zuvor Jens noch
geraten hatte eine Wasserflasche in der T1 bereitzustellen um sich den Sand abspülen zu können. Doch das hatte ich leider
vergessen.
Rad:
Für unterwegs hatte ich eine Radflasche komplett mit Gel gefüllt. Die andere Radflasche enthielt nur
Wasser und wurde an den Verpflegungsstellen einfach gegen eine neue getauscht. Dieses System hat
super funktioniert - zwischendurch immer mal ein Schluck aus der Gel-Flache und dann mit Wasser
nachspülen. Zusätzlich hatte ich noch drei Powerbar-Riegel und Salztabletten im Gepäck.
Ich wollte eher verhalten Radeln um Kraft für das Laufen einzusparen. Daher auch meine etwas
pessimistische Prognose von ca. 6h, bei der ich, wie sich später herausstellte, dann doch leicht
daneben lag. Zunächst hieß es sich Richtung Frankfurt locker einrollen. Dabei habe ich erstmal einen
Riegel gegessen und auch schon ordentlich getrunken.
Die Beine fühlten sich gut an und die Kilometer verflogen rasch. Auch die Steigungen bereiteten
keinerlei Probleme, alles war gut. Einzig das Kopfsteinpflaster bei "The Hell" war dann doch eher von
der groben Sorte und ich machte mir doch etwas Sorgen um mein Rad und kontrollierte, dass sich die
Radflaschen nicht aus den Haltern verabschiedeten. Ab der Hälfte der ersten Runde bekam ich leichte
Kopfschmerzen und wertete dies mal als Signal mehr zu trinken und auch die Salzzufuhr zu erhöhen.
Also nahm ich jetzt vor jeder Verpflegungsstelle zwei Salztabletten. Die Kopfschmerzen verschwanden dann zum Glück zum
Ende der ersten Radrunde wieder.
Noch auf der ersten Runde auf dem Weg nach Bad Vilbel entdeckte ich auf einmal Jens vor mir. Das war wirklich kurios, da
Jens durch Probleme in der T1 nach mir auf die Radstrecke ging und ich auch nicht bemerkt hatte das er mich überholt hatte.
Also fuhr ich zu ihm auf und auch er war sehr überrascht das ich von hinten angefahren kam. Auch er hatte den Überholvorgang
nicht bemerkt. Von nun an fuhren wir also gemeinsam und so wurde das Radeln noch kurzweiliger. Dies war aber auch der
Grund für meine kürzere Radzeit denn Jens und ich pushten uns Gegenseitig. Auf den Steigungen ging meist ich in Führung,
auf den Geraden war dann Jens wieder vorn. Zwischenzeit hatte ich aber doch Bedenken ob ich nicht zu viele Körner auf der
Radstrecke lasse und dann beim Laufen einbrechen werde. Aber ich lies es darauf ankommen. Im Bad Vilbel beim Heart Break
Hill hatte ich zum ersten mal eine Gänsehaut. Durch dieses Menschenspalier zu fahren, das war schon phänomenal. Am Ende
der ersten Radrunde, in Frankfurt, wenn man auf die Gerade zur T2 abbiegt, hatten sich ein paar Maximalpulsvermeider zum
Anfeuern versammelt. Erst im letzten Moment, aus dem Augenwinkel, erkannte ich pumuggel dank ihrer roten Haare.
Die zweite Runde verging anschließend auch wie im Flug. Die Sonne hatte sich hinter ein paar Wolken versteckt, so dass auch
die Temperaturen im angenehmen Rahmen blieben - alles passte. Und so kam es das ich nach einer Radzeit von 5:31:35 in die
zweite Wechselzone einfuhr. Diese Zeit hätte ich nicht für möglich gehalten.
Lauf:
Der zweite Wechsel dauerte 2m:18s und schon war ich auf der Laufstrecke. Und schon, nach ein paar wenigen Metern, hatte
ich leichte Krämpfe in beiden Oberschenkeln. Ich dachte nur Mist, da habe ich wohl beim Radeln doch übertrieben. Zum Glück
wurden die Beine nach ca. 2km lockerer und die Krämpfe verschwanden (vorerst). Wie immer nach dem Rad war es schwierig
das richtige Lauftempo zu finden. Und so ging ich die ersten Kilometer mit 5min/km zu schnell an. Also mahnte ich mich zur
Ruhe und drosselte ein wenig. Ab KM 5 hatte ich einen guten Laufrythmus gefunden, war aber mit 5:15min/km immer noch viel
zu schnell. Ob das mal gut geht dachte ich und ließ den Dingen ihren Lauf. Die Beine waren zwar
schon müde und schwer aber die erste Runde verlief ansonsten ohne Probleme.
Ich achtete sehr darauf mich gut zu Verpflegen und trank alles was ich in die Finger bekam. Wasser,
Iso, Cola - immer rein damit - auch mal Stück Banane und immer wieder Salztabletten. Nur an einem
TUC wäre ich fast erstickt und musste etwa einen Kilometer ständig Husten. TUC wurde somit von
meiner Verpflegungsliste gestrichen. Zur Kühlung stopfte ich mir pro Runde ein paar Eiswürfel unter
meine Kappe - muss merkwürdig ausgesehen haben aber es ging ja zum Glück nicht um einen
Schönheitspreis.
Überall entlang der Laufstrecke hatten sich Bekannte, Verwandte und Freunde postiert und so wurde
ich durch die Anfeuerungsrufe ständig weiter getrieben. Etwa bei KM 7 der Laufrunde hatten sich
dann auch die Maximalpulsvermeider eingefunden und feuerten mich kräftig an. Vielen Dank noch
mal an dieser Stelle. Das hat echt geholfen. Anfang der zweiten Runde stand Jens auf einmal am
Streckenrad und rief mir zu: "Du musst jetzt für uns beide laufen!". Jens musste also aufgeben, sehr
schade.
Die Wolken hatten sich nun weitgehend verzogen und es wurde jetzt doch recht warm auf der Laufstrecke. Trotzdem konnte ich
auf der zweiten Runde mein Tempo weitgehend halten. Was mir auffiel, war ein anderer Läufer "Tim", der mich ständig
überholte. Er lief immer relativ zügig an mir vorbei, wollte/musste dann aber immer Gehpausen machen, in denen ich dann
wieder vorbeizog. Interessante Laufeinteilung dachte ich. Ab Ende der zweiten Runde kündigten sich wieder Krämpfe in den
Oberschenkeln an und mein Tempo sank auf 5:25km/min. Zudem musste ich ab der dritten Runde nun selbst an jeder
Verpflegungstelle gehen damit sich die Beine etwas erholen konnten.
Trotzdem wurden die immer Beine fester und das Laufen wurde zusehends schwerer. Mal schauen wie lange das noch gut
geht, dachte ich. Am Ende der dritten Runde im Zielbereich, schallte "Heavy Cross" aus den Lautsprechern dazu noch die große
Menge an Zuschauern, die vereinzelt meinen Namen rufen: Hier hatte ich das zweite mal Gänsehaut und ab hier war ich mir
sicher den IM zu finishen. Noch etwas mehr als 10km, das ist normalerweise ein kurzer Trainingslauf. Aber die letzte Runde war
noch mal richtig hart. Jeder Schritt tat nun weh. Das Anlaufen nach den Gehpausen wurde immer schwerer. Bei KM35 fand ich
einen Leidensgenossen der in etwa mein Tempo lief. Und so liefen wir dann bis etwa KM 40 zusammen, machten gemeinsam
Gehpausen und forderten uns gegenseitig zum weiterlaufen auf. Er erklärte mir, dass er aus Mississippi komme und nur für den
Ironman nach Frankfurt gekommen sei. Leider hatte ich ihn dann aus denn Augen verloren.
Ein letztes mal über die Mainbrücke, vorbei an der letzten Verpflegungsstelle und dann kam er endlich, der rote Teppich hoch
zum Römer. Diesen Moment wollte ich genießen und so trabte ich langsam den Zielkanal entlang. Das war schon sehr
beeindruckend. Ich sah das Plakat, das meine Liebste extra für mich angefertigt hatte, gab ihr noch einen Kuss und nach
3:49:03 Laufen war ich im Ziel angekommen.
Gesamtzeit: 10:43:12
Mit dieser Zeit hätte ich für meinen ersten Ironman nie gerechnet und bin mehr als zufrieden. An diesem Tag hat alles gepasst!
Im Ziel wartete Jens auf mich. Er erklärte mir das seine Füße nach dem Rad extrem angeschwollen waren und er kaum noch in
seine Laufschuhe kam. Beim Laufen danach hatte er so starke Schmerzen das er abbrechen musste. In einer Aid Station hatte
er noch die Füße mit Eis gekühlt aber es war nichts mehr zu machen. Die Schwellung ging nicht zurück. Schade, auch für Ihn
wäre eine gute Zeit drin gewesen.
Jetzt muss ich den Ironman erst mal verarbeiten, sowohl körperlich als auch mental. Weitere Wettkämpfe sind sind bisher nicht
geplant. Vielleicht nehme ich noch die ein oder andere Sprint- oder Kurzdistanz mit. Ob und wann ich die nächste Langdistanz
mache, wird sich dann zeigen. In Frankfurt werde ich nächstes Jahr aber nicht starten. Als Kandidat für eine LD nächstes Jahr
käme Köln vielleicht in Frage. Schaun mer mal....